Freitag, 28. August 2009

Besetztes Gängeviertel

Als Mitbegründerin der im Gängeviertel ansässigen Galerie KunstLeben und des heutigen Ateliers "Salon Valentina" habe ich das Treiben um die leerstehenden Gebäude lange Zeit begleitet.  Noch vor etwa 5 Jahren habe ich an dem Projekt mitgearbeitet, dass Gängeviertel in ein Kunst und Kulturzentrum mit Ateliers, Galerien, Künstlercafés, Wohnungen, Geschäften und einer Kunstschule zu verwandeln. Es scheiterte meistens an den entsprechenden Investoren, denn die Stadt konnte nicht genügend Geld aufbringen. Vor 2 Jahren habe ich mein Atelier und auch die Galerie verlassen, da ich in den Süden Deutschlands gezogen bin. Seitdem verfolge ich die Geschehnisse aus der Ferne und freue mich, dass endlich etwas passiert und die Hamburger aufmerksam werden auf die nicht allzu kleine Fläche in der direkten Innenstadt Hamburgs.

PROTEST

200 Künstler besetzen Häuser im Gängeviertel

(19)
23. August 2009, 23:28 Uhr

Aktivisten wollen historische Gebäude vor Verfall und Abriss retten und fordern vom Senat mehr Förderung.

Künstler besetzen Hamburger Gängeviertel
Foto: dpa/DPA

Unter der Schirmherrschaft des Malers Daniel Richter drangen die Künstler in die seit Jahren verrammelten Gebäude ein.

Fast 200 Künstler haben in Hamburg ein Dutzend leer stehende Häuser des sogenannten Gängeviertels in der Innenstadt besetzt. Unter der Leitung des Malers Daniel Richter drangen sie am Samstag in die seit Jahren verriegelten Gebäude ein und richteten Galerien, Ateliers und Kunsträume ein. Sie wollten damit „auf dringend benötigten Raum für Hunderte von Kreativen“ aufmerksam machen.

Außerdem wollen sie die historischen Gebäude vor dem Verfall retten. Der Sprecher der Initiatoren, Darko Caramello, sagte, die Häuser blieben so lange besetzt, „bis wir rausfliegen oder bis die Stadt mit uns geredet hat“. Die mehrstöckigen Gebäude in der Innenstadt stehen seit Jahren leer. Bei ihrer Aktion stellten die Künstler in den Häusern ihre Werke aus. Hunderte Menschen besuchten schon am Nachmittag das Areal, auf dem auch DJs Musik auflegten und kleine Bars aufgebaut waren. Ähnliche Aktionen gab es bereits in London. „Es kann nicht sein, dass das hier alles abgerissen wird“, sagte Caramello. Bei der Hausbesetzung hätten sich zwei Gruppen gefunden: die eine, welche die Gebäude erhalten möchte, und die andere, die auf fehlende Ateliers aufmerksam machen möchte. Denn viele Künstler und Kreative der Stadt fühlten sich vernachlässigt. „Die Stadt brüstet sich gerne als Kulturstadt, tut aber nichts“, sagte Caramello. In einem offenen Brief der Künstler an den schwarz-grünen Senat heißt es: „Wir erwarten nun von Ihnen als Senat, dass Sie die Verantwortung für die kulturelle und soziale Vielfalt der Stadt übernehmen und mit uns konstruktiv zusammenarbeiten.“ Ziel müsse die Gestaltung eines „neuen, öffentlich zugänglichen und finanziell unabhängigen Kunst- und Kulturzentrums im Herzen der Stadt sein“. Eigentümer der Gebäude ist der niederländische Investor Hanzevest. Er hat Immobilien von der Stadt gekauft, um dort Büros und Wohnungen zu bauen. Rund 80 Prozent der historischen Gebäude sollen dabei abgerissen werden.

Das Häuser-Ensemble ist nach Angaben der Initiatoren jedoch das letzte Zeugnis der Gängeviertel, die früher das gesamte Stadtbild bestimmt haben, „und veranschaulicht alle Zeitphasen seit 1650“. Die Hamburger Gängeviertel wurden bis 1900 vornehmlich von Hafen- und Gelegenheitsarbeitern bewohnt. Es war die am dichtesten besiedelte Fläche der Hansestadt. Auf einem Hektar lebten durchschnittlich 1500 Menschen. Damit standen jedem Bewohner rund 6,2 Quadratmeter zur Verfügung.

Wegen der Verarmung und hohen Kriminalität in den Gängevierteln wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst das Hafen-Gängeviertel der Neustadt-Süd abgerissen, dann folgte die Altstadt-Ost und schließlich unter der Nazi-Diktatur die nördliche Neustadt. Verbliebene Reste gingen im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurden zugunsten des Baus des Unilever-Hochhauses beseitigt. Rudimente stehen noch entlang des Bäckerbreitergangs und in einem Stück zwischen Caffamacherreihe, Valentinskamp und Speckstraße.